Himmelpfort

tl_files/img_web/allg/article_underline_1.png

In Himmelpfort, etwa 80 Kilometer nördlich des Berliner Zentrums, geht Entspannen anders. Wer hier herkommt, liebt die Natur – oder er sollte besser wegbleiben. Himmelpfort ist so ziemlich genau das Gegenteil von Schicki-Micki. Also Sneaker statt Pumps, Gummistiefel statt Lackschuh, Bier statt Schampus, Klosterkeller statt Sansibar. Die meisten Häuser sind typisch dörflich, die Ureinwohner mitunter maulig, die Besucher meist guter Dinge.

Der typische Himmelpfort-Urlauber wandert oder radelt durch die Wälder, badet in den naturtrüben Seen, angelt, sammelt Pilze, lässt es sich in den Gasthöfen und Cafés gut gehen. Von denen gibt es hier mehr als in den meisten anderen märkischen Orten. Denn Himmelpfort ist schon seit mehr als 100 Jahren eine Sommerfrische vor allem für die Berliner. Wirklich okkupieren konnten die den Ort aber ebenso wenig wie Sachsen, Thüringer oder Anhaltiner. Himmelpfort ist Himmelpfort geblieben.


Die Seen

Der Stolpsee ist 371 Hektar groß und wird von der Havel durchflossen. Seine Maximalmaße sind: Länge: 3,6 Kilometer, Breite: 1,4 Kilometer, Tiefe: 13 Meter. Seinen Namen hat er vom ehemaligen Fischerdorf Stolp an der Woblitzmündung, das im Mittelalter aufgegeben wurde.

Der Haussee ist wunderbar von der Klosterkirche aus zu sehen. Die Schleuse verbindet ihn mit dem Stolpsee. Durch die Woblitz hat er Verbindung mit der Lychener Seenkette im Osten.

Der Moderfitzsee geht vom Haussee ab und befindet sich im Norden, zwischen Ort und Bahnhof. An seiner Spitze liegt Pian. Der See ist 58 Hektor groß und bis zu 10 Meter tief. Eine kleine, ungenutzte Insel findet sich mitten im See.

Der Sidowsee hat eine nicht befahrbare Verbindung zum Moderfitzsee. Er ist 34 Hektar groß und fischreich. In Vorwendezeiten angelten hier, trotz strikten Verbotes, sowjetische Militärangehörige, die in Ravensbrück stationiert waren. Vor allem Karpfen und Zander lassen sich fangen, vorausgesetzt, man hat eine Genehmigung. Heimlich fischten hier auch zu DDR-Zeiten die Gründer des Himmelpforter Kreises.

Erholung

Schon Ende das 19. Jahrhunderts begann sich in Himmelpfort der Fremdenverkehr zu entwickeln. Für die Bewohner des Ortes, vornehmlich Fischer, Bauern, Waldarbeiter und Schiffsleute, war er eine willkommene Einnahmequelle. 1925 bekam Himmelpfort den Status eines Luftkurortes zuerkannt. 2002 folgte die Anerkennung als staatlich anerkannter Erholungsort.

Möglich wurde die touristische Erschließung Himmelpforts vor allem auch durch den 1870 begonnenen Bau der Preußischen Nordbahn, die von Berlin über Neustrelitz und Neubrandenburg bis Stralsund führte. Von Fürstenberg gab es eine Nebenstrecke über Himmelpfort nach Templin. Der Himmelpforter Bahnhof befindet sich, abseits des Ortes, im Wald. Die Bahnstrecke zwischen Fürstenberg und Templin wurde 1996 stillgelegt. Seitdem werden die Schienen für Draisinenverkehr genutzt. Ab Templin gibt es Tagestouren (34 Kilometer), ab Fürstenberg Halbtagestouren (vormittags und nachmittags/25 Kilometer). Die Draisinen fahren jeweils bis Lychen.

Kontakt und Buchung: Telefon: +49(0)30 8730221 oder Mobil: +49(0)160 974502-36 bzw. 38

Email: info@bex-reisen.dewww.draisine.com

Das Kloster

Himmelpfort entstand mit Gründung des gleichnamigen Klosters durch Zisterzienser-Mönche. Datiert ist das auf das Jahr 1299. Himmelpfort war seinerzeit ein Absprengsel des Klosters Lehnin südwestlich von Potsdam.

Wirtschaftlich blieb das Kloster Himmelpfort ohne große Bedeutung, obwohl zum Lehen sechs Dörfer, 39 Seen, zehn Mühlen und große Waldflächen gehörten. Die Säkularisierung des Klosters im 16. Jahrhundert führte dazu, dass die klosterlichen Flächen in Gutsbesitz übergingen. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) wurde das ehemalige Kloster geplündert und zerstört. Zu sehen ist heute noch die Ruine der Klosterkirche, von der im 17. Jahrhundert ein Teil als evangelische Dorfkirche hergerichtet wurde.

Außerdem gibt es das zweigeschossige Brauhaus, einen Rest der Klostermauer und nahe der Schleuse den Klostergarten, der heute als Kräutergarten dient. Ein Besuch der idyllischen Kirche ist unbedingt zu empfehlen.

Der Orden der Zisterzienser ist im elften Jahrhundert in Frankreich als Abspaltung der  Bendiktiner-Klöster entstanden. Leitspruch der Zistersienser ist ora et labora – bete und arbeite. Auf dem Gebiet des späteren Deutschland wurden in der Folge insgesamt 91 Zisterzienser-Männerklöster gegründet. Mit zeitlicher Verzögerung war der Orden bereit, auch Frauen den Zugang ins Klosterleben zu gestatten. Separat, versteht sich. So entstanden dann etwa 165 Frauenklöster der Zisterzienserinnen auf dem heutigen deutschen Gebiet.

Die männlichen Zisterzienser-Klöster erlangten vor allem östlich der Elbe Bedeutung. Zu nennen sind hier unter anderem Doberan, Lehnin, Pforta sowie Leubus und Waldsassen auf dem heutigen Gebiet Polens.

In ein Zisterzienserkloster kann jeder Volljährige eintreten, der geistig und körperlich dazu geeignet erscheint und bereit ist, sich ganz auf ein Leben mit Gott einzulassen. Wer Mönch werden will, besucht das Kloster zunächst als Gast. Nach der Kennenlernphase folgt die Kandidatur, in der geprüft wird, ob der Zögling für das Zisterzienserleben geeignet ist. Dafür verbringt der Kandidat einige Wochen in der Gemeinschaft der Mönche. Die Kandidatenzeit ist zeitlich nicht festgelegt. Dem Postulat folgt das Noviziat, das mindestens ein Jahr dauert. Es beginnt mit der Einkleidung. Weder Postulant noch Novize sind bereits fest an den Orden gebunden. Sie können jederzeit das Kloster wieder verlassen. Erst nach Zulassung durch den Orden und den Konvent kann der Novize die zeitliche Profess ablegen und sich damit für drei Jahre an den Orden binden. Eine dauernde Bindung an den Orden und sein Kloster geht der Novize ein, wenn er drei (das ist die Regel) bis maximal neun Jahre nach der zeitlichen auch die feierliche Profess ablegt. Dabei gelobt er klösterlichen Lebenswandel, Beständigkeit und Gehorsam bis zum Lebensende. Eingeschlossen sind materielle Anspruchslosigkeit und ehelose Keuschheit.

Verwaltung

Seit dem Jahr 2003 ist Himmelpfort einer von insgesamt neun Ortsteilen der Stadt Fürstenberg/Havel im Landkreis Oberhavel. Die anderen sind Altthymen, Barsdorf, Blumenow, Bredereiche, Steinförde (einschließlich Groß- und Kleinmenow sowie Steinhavelmühle) Tornow und Zootzen.

Himmelpfort hat 550 Einwohner. Insgesamt kommt Fürstenberg mit seinen neun Ortsteilen auf knapp 6500 Einwohner.

Bürgmeister Fürstenbergs ist der parteilose Politiker Robert Philipp. Bürgermeister Himmelpforts war nach der Wende viele Jahre Lothar Kliesch, der es als SPD-Politiker auch geschafft hatte, in den Potsdamer Landtag einzuziehen.

Weihnachtspostamt

Im In- und Ausland bekannt ist Himmelpfort wegen seines Weihnachtspostamtes. Aus aller Welt kommen Briefe von Kindern, die von freiwilligen Helfern des Weihnachtsmannes sorgfältig beantwortet werden.

Im Jahr 2006 gab es einen Rekord – mit 279 000 Wunschzetteln aus 80 Ländern. Derartige Weihnachtspostämter gibt es mehrere im deutschsprachigen Raum, zum Beispiel in Himmelsthür und Himmelreich (Niedersachsen), Himmelsberg (Thüringen) oder Himmelstadt (Bayern), wie auch in Skandinavien und Übersee.

In Himmelpfort gibt es zwar seit Jahren kein Postamt mehr, doch eine Schreibstube des Weihnachtsmannes.

Militär

„Totschka“ – übersetzt Punkt – war das Codewort für das zwischen Himmelpfort und Lychen gelegene Kernwaffendepot der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte in der ehemaligen DDR. Es gab vier solcher zentralen Depots und 21 insgesamt in Ostdeutschland, in denen Atomwaffen gelagert wurden. Bewacht wurde das Gelände von NVA-Soldaten.

Die Übergabe der Bunkeranlage im Jahr 2002 an das Bundesfinanzministerium erfolgte ohne jedwede Unterlage. Totschka gehört zu jenen russischen Staatsgeheimnissen, die 50 Jahre unter Verschluss zu halten sind. Bekannt ist zumindest, dass im Inneren des Bunkers eine Spezialeinheit des russischen Geheimdienstes KGB operierte.